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05.08.08 15:44

Uniklinik Münster: Ein Menetekel?

Sind die Vorgänge in der Herzchirurgie der Uniklinik Münster ein Einzelfall? Ein Kommentar von NETZWERK Sprecher Dirk Brandl

Am Uniklinikum in Münster ist der Teufel los. Eine Pressenachricht jagt die nächste. Mittlerweile beschäftigt der Skandal Staatsanwälte und Kommissionen.
Eins vorneweg: Hier geht es nicht um Schuldzuweisungen und einseitige Vorverurteilungen. Mir geht es darum, das System zu durchleuchten und Veränderungen für die Zukunft anzumahnen.

Ganz kurz (so kurz es geht) zu den Fakten:
Alles begann mit der Berufung der weltweit anerkannten Herzchirurgin Frau Prof. Dr. Sabine Däbritz an die Klinik im Rahmen einer Stiftungsprofessur für das entstehende EMAH mit der Perspektive, die gesamte Herzchirurgie von Prof. Scheld nach 4 Jahren zu übernehmen.
Plötzlich begann es im Blätterwald zu rauschen. Die Probezeit wurde nicht verlängert. Frau Prof. Däbritz durfte nicht operieren. Eine lange juristische Auseinandersetzung folgte, in deren Verlauf das Operationsverbot wieder aufgehoben wurde. Aber es wurde in der fortdauernden Schlammschlacht so viel Porzellan zerschlagen, dass Prof. Däbritz alle geschlossenen Verträge kündigte und Münster in Richtung Duisburg verließ. Ein erster Trümmerhaufen blieb zurück.

Dann kamen anonyme Anzeigen. Mehr als 13 Patienten sollen durch Fehloperationen am UKM gestorben sein. Einsetzung der Untersuchungskommission, Anfangsermittlungen der Staatsanwaltschaft. Drohbriefe an den Vorsitzenden der Untersuchungskommission (kleines Apercu: neuer Chef von Prof. Däbritz). Hängen beiden Vorgänge zusammen? Niemand weiß Genaues. Niemand traut sich an die Öffentlichkeit. Aussageverweigerungen, Dementis. Eine Verbindung zwischen diesen beiden Vorgängen ist bislang von niemandem gezogen worden, trotzdem ist sie indirekt vorhanden, denn die handelnden Personen sind identisch.

Warum beschäftige ich mich mit diesem Vorgang? Ich glaube, er ist symptomatisch für das, was in unseren Kliniken, insbesondere solchen mit Universitätsanschluss, vor sich geht.
Was können wir daraus lernen?
Beschäftigen wir uns zunächst mit Prof. Däbritz. Sie wird berufen und bringt sogar ihr Team mit. Eine international anerkannte Kapazität soll dem Herzzentrum (insbesondere der Kinderchirurgie) internationalen Glanz verleihen. Warum die plötzliche Umkehr? Von dem alten Team wird ihr kommunikatives Fehlverhalten vorgeworfen, fachlich konnte man ihr nichts anhaben. Meine Spekulation, gestützt durch Kenntnisse über die Abläufe im UKM, ist folgende: Die lokalen Platzhirsche waren alles andere als erfreut über die Berufung, nahezu Panik kam auf, als ein ganzes Team ans UKM wechselte. Die Konkurrenz in solchen Institutionen, ganz besonders am UKM ist extrem, Neid und Mißgunst sind vorherrschende Triebkräfte von torpedierenden Verhaltensweisen. Hinzu kam, dass der alte Chef noch weitere 4 Jahre neben Prof. Däbritz tätig sein sollte. Was eigentlich einen geordneten Übergang hätte erzeugen sollen, wurde ins Gegenteil verkehrt. Mobbing setzte ein, man boykottierte und bestreikte ein Vorwärtskommen und die Entwicklung in die von Prof. Däbritz gewünschte Richtung. Die Entscheidung von Prof. Däbritz, sich auf ein Team zu stützen, war bereits geprägt vom Vorwissen, dass Mobbingstrukturen in jeder Uniklinik vorhanden sind. Nicht berücksichtigt wurde von ihr dabei, dass die Machtverhältnisse sich erst nach Jahren umkehren sollten. Dadurch bildete das Team eine isolierte Einheit innerhalb eines größeren Gefüges. Synergien und Verbesserungen aber sind nur zu realisieren, wenn alle mit ins Boot genommen werden können. In einem solchen Riesenapparat ist dies ganz, ganz schwierig, insbesondere, wenn – wie zu vermuten – der Fisch vom Kopf her stinkt.

Nachdem Frau Prof. Däbritz das Handtuch geworfen und sich für eine andere Klinik entschieden hat, wird plötzlich über die anderen Vorgänge berichtet, die augenscheinlich auch schon seit Längerem vor sich gehen: anonyme Anzeigen, anonyme Schreiben an Angehörige, die von Todesfällen betroffen waren. Ein oder mehrere Insider schalten die Öffentlichkeit ein und schießen aus dem Dunkeln. Die Uniklinik verspricht vollständige Transparenz während des Aufklärungsprozesses. Unabhängig davon, ob an den Vorwürfen etwas dran ist oder nicht: der Initiator fürchtet sich, sonst würde er nicht anonym vorgehen. Auch dies ist nichts Ungewöhnliches. Strafmaßnahmen denjenigen gegenüber, die Mißstände aufdecken, sind an jeder Klinik Realität. Stellen sich die Vorwürfe als Lüge heraus, ist dies nur ein weiterer Hinweis über die offensichtlich unhaltbaren Zustände, die sich ja bereits im Fall Prof. Däbritz angedeutet haben.

Was bleibt übrig:
Eine desillusionierte engagierte Chirurgin, die die Seilschaften und Verhältnisse unterschätzte?
Eine Klinik, deren Ruf über Jahre ramponiert wurde?
Angehörige, die trotz Kommissionen und Staatsanwaltschaft damit rechnen müssen, dass die Wahrheit nie ans Licht kommt?
Patienten, die stark verunsichert sind?
Verursacher, die nicht zur Rechenschaft gezogen werden?
Eine Universität, die die veralteten Strukturen nicht aufzubrechen vermochte?
Eine Stiftung, deren Gelder vielleicht in das falsche Projekt investiert wurden?
Der Vorgang ist noch lange nicht abgeschlossen. Was wird noch passieren, bevor notwendige Veränderungen im Umgang miteinander in die Medizin Eingang finden? Was in Münster passiert ist, ist nur die Spitze des Eisbergs und hätte so oder so ähnlich an jeder anderen deutschen Universität passieren können.

Welche Lehren können wir aus den beiden zusammenhängenden Fällen ziehen?
1. Innovationen und Entwicklungen können nur dann durchgeführt werden, wenn das herrschende Klima dies zulässt. Die Realität ist eine von Konkurrenz und Neid geprägte Atmosphäre, Ausnahmen bestätigen die Regel. Diejenigen müssen gefördert werden, die in der Lage sind, in einem Team synergetisch zu arbeiten. Jeder, der Konkurrenz statt Zusammenarbeit fördert, ist Gift für jede Art von Entwicklung.
2. Deshalb sind Reformen auf diesem Gebiet notwendiger als Gesundheitsreformen. Hier ist die Politik gefordert. Es ist zu vermuten, dass mehr Patienten dadurch zu Schaden kommen, dass gegeneinander statt miteinander gearbeitet wird als durch schlecht ausgebildete Ärzte. Moderation durch Aussenstehende sollte jeden innovativen Vorgang begleiten, damit die herrschenden Strukturen besser berücksichtigt werden können
3. Ärzte sollten zusätzlich zu ihrer medizinischen Ausbildung soziale und kommunikative Kompetenz erlernen können. Dies dem Zufall oder eigenem Engagement zu überlassen ist mehr als fahrlässig und von der universitären Ausbildung zu verantworten.
4. In jüngster Zeit ist oft die Rede davon, dass Ärzte ihre Fehler zugeben sollten, damit ein Lernen stattfinden kann. Dies ist nur in einer Atmosphäre zu verwirklichen, die keine Sanktionen gegen Ärzte in dem Maße erlaubt wie in der Gegenwart. Das System bedarf dringender Veränderungen. (siehe hierzu meinen Kommentar vom 5. Juni 2008)
5. Hierarchische Führungsstrukturen sollten durch netzwerkartige, nichthierarchische Strukturen ersetzt werden. Demokratische Bedingungen sollten Einzug halten. Fehler werden nie von einem Einzelnen gemacht, daran beteiligt ist immer ein ganzes Netzwerk.


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+49-(0)2508-21 59-100

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